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Die Standardisierung von Open XML

Autor: Tobias Steinke, Deutsche Nationalbibliothek, t.steinke@d-nb.de

Am 2. April 2008 wurde Open XML als ISO-Norm 29500 verabschiedet. Sie wurde am 19. November 2008 in vier Teilen veröffentlicht und gehört zu den wenigen kostenlos verfügbaren ISO-Normen, welche hier heruntergeladen werden können. Zuvor hatte es im Zuge des Standardisierungsverfahren erhebliche Kontroversen gegeben.

Die Office-Formate der Programme von Microsoft sind zwar schon lange ein Defakto-Standard, aber bisher legte die Firma die zugehörigen Spezifikationen nie völlig offen. Ihr für die aktuelle Programmversion neu entwickeltes Office-Format auf Basis von XML wurde nun aber zuerst ein ECMA-Standard und als solcher auch beim ISO zur Normierung eingereicht. Kritiker waren gegen die Normierung, da es bereits ein anderes von der ISO normiertes Office-Format auf XML-Basis gibt, OpenDocument (ISO 26300). OpenDocument wird besonders von Open-Source-Befürwortern gefördert und von vielen Programmen unterstützt, insbesondere vom freien Programmpaket OpenOffice.org. Microsoft argumentierte für ihr eigenes Format damit, dass sich mit OpenDocument nicht alles abbilden ließe, was mit den bisherigen MS-Office-Produkten möglich war. Die Kritiker unterstellten Microsoft hingegen, mit einem eigenen Norm-Format nur die eigene Vormachtstellung im Office-Markt zementieren zu wollen. Denn die 6000 Seiten umfassende Spezifikation von Open XML sei so ausgelegt, dass Mitbewerber sie kaum implementieren könnten. Aus Sicht der Langzeitarchivierung von Office-Dokumenten kann die Normierung jedoch begrüßt werden. Denn eine ISO-Norm garantiert, dass die Spezifikationen “für alle Zeiten” verfügbar bleiben, was für die Langzeitarchivierung essentiell ist. Ein nicht-offener Defakto-Standard, wie sie die Microsoft-Office-Formate bisher waren, schafft dagegen erhebliche Probleme bei der Durchführung der notwendigen Langzeitverfügbarkeitsstrategien Migration und Emulation.


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