XMetaDissPlus für Hochschulschriften und Publikationen
Autoren: M. Brodersen (DNB), S. Wolf (BSZ)
Zusammenfassung
Im Rahmen der erweiterten Ablieferungspflicht von Publikationen aus institutionellen und fachlichen Repositorien schlägt die Deutsche Nationalbibliothek vor, das Verfahren auf dem eingeführten XMetaDiss-Format aufzubauen und es in der Art zu verwenden, wie es das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg zu XMetaDissPlus erweitert hat: durch ein "Gemeinsames Vokabular der Publikationstypen" wird die Beschränkung von XMetaDiss auf Dissertationen und Habilitationen aufgehoben und Dokumentarten wie Preprints, Aufsätze und audiovisuelle Materialien können transportiert werden. Das Gemeinsame Vokabular dient ebenfalls der weiteren Standardisierung, z.B. im Rahmen der Setbildung im DINI-Zertifikat für Dokumenten- und Publikationsservices oder Suchdiensten wie Base der UB Bielefeld.
Die Beschreibung von Hochschulschriften und Publikationen in fachlichen und institutionellen Repositorien geht in der Regel von den Daten aus, die direkt vom Autor erfasst werden. Das Dublin Core Metadata Element Set (DCMES) ist stets Dreh- und Angelpunkt bei allen Anstrengungen, diese Beschreibungen zu standardisieren. Doch zeigte sich, dass das DCMES allein nicht ausreicht: zweckbestimmte Formate bzw. Schemata wie XMetaDiss wurden definiert, die sinnvoll sind, da sie — der laufenden technischen und semantischen Entwicklung folgend — in bestimmten Communities und für bestimmte Verwendungen akzeptiert und verbreitet sind.
Mit XMetaDiss[2] steht das Format des Metadatensatzes der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) für Online-Dissertationen und -Habilitationen inklusive Angaben zum Autor (XMetaPers) als Liefer- und Austauschformat zur Verfügung. Es vereint die Vorzüge semantischer Eindeutigkeit der verwendeten Elemente mit einem XML-Format, das über eine OAI-Schnittstelle genutzt wird. In den gängigen Softwaresystemen wie z. B. OPUS[3] sind die notwendigen Schnittstellen implementiert. XMetaDiss ist auf Online-Dissertationen und -Habilitationen beschränkt. In den fachlichen und institutionellen Repositorien und Hochschulservern findet sich aber ein weitaus breiteres Spektrum von Publikationstypen und Dokumentarten: Preprints, Aufsätze, Konferenzbeiträge, Karten auch Videobeiträge und vieles Weiteres. Mit der Revision der Ablieferungsbestimmungen sind diese in das Pflichtexemplarrecht der DNB einbezogen. Sollen also die Metadaten und Publikationen dieser weiteren Dokumentarten ausgetauscht und abgeliefert werden, reicht die Leistungsfähigkeit von XMetaDiss als Liefer- und Austauschformat nicht aus.
Die DNB schlägt deshalb den verschiedenen Communities vor, das für Dissertationen und Habilitationen eingeführte XMetaDiss-Format in einer überarbeiteten Version zu benutzen, wie es das BSZ für die Katalogisierung von Publikationen aller Art aus Hochschulschriftenservern in der Verbunddatenbank des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) bereits eingeführt hat: über die Definition eines Vokabulars von Publikationstypen, das im Rahmen eines XML-Schemas definiert wird, wurden weitere Dokumentarten darstellbar. Auf diese Weise hat das BSZ XMetaDiss zu XMetaDissPlus erweitert. An die Stelle der BSZ-eigenen Liste von Publikationstypen soll ein besser abgestimmtes Gemeinsames Vokabular treten. Damit wird XMetaDissPlus als erweiterter Standard etabliert.
Der Vorteil dieser Herangehensweise liegt darin, dass kein neues Format definiert und gepflegt sowie in den verschiedenen Softwaresystemen und -installationen implementiert werden muss. Das Gemeinsame Vokabular kann darüber hinaus in weiteren Kontexten nachgenutzt werden.
Eine kleine Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit ein neues "Gemeinsames Vokabular der Publikationstypen". Die AG wurde eingerichtet in gemeinsamer Absprache der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation DINI, der DNB und dem BSZ und steht in Kontakt mit weiteren maßstabsetzenden Gremien, wie z.B. dem Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten (KIM). Leitende Maßgabe der Arbeitsgruppe ist es, dieses Gemeinsame Vokabular so zu definieren, dass es internationalen Normierungen wie z.B. dem Dublin Core Type Vokabulary[4] oder dem Publication type vocabulary der DRIVER-Guidelines 2.0[5] folgt und die in den fachlichen und institutionellen Repositorien enthaltenen Typen in einer vertretbaren Detaillierung abbildet. Die Liste ist prinzipiell erweiterbar; Erweiterungen werden, wie es eingeführte Praxis ist, von den Beteiligten in gemeinsamer Abstimmung durchgeführt.
Das Gemeinsame Vokabular wird für die Setbildung im Rahmen des DINI-Zertifikats für Dokumenten- und Publikationsservices[6] oder von Suchdiensten wie Base der UB Bielefeld[7] genau so herangezogen wie für die Ablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek und die Katalogisierung im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB) des BSZ: Metadatenrecords aus Hochschulschriftenservern aller technischen Systeme werden, sofern sie XMetaDiss bzw. XMetaDissPlus über die OAI-Schnittstelle ausliefern können, an die WINIBW des PICA-Systems des SWB übergeben, durch ein Skript in das Erfassungsformat transformiert und im SWB-Verbund gespeichert. Nach erfolgter Titelaufnahme bietet das Verbundsystem derzeit die PicaProduktionsNummer (PPN) des SWB dem Hochschulschriftenserver zur Speicherung an — damit besteht neben der URN eine weitere Verbindung zwischen Titelaufnahme im Katalog, Metadaten im Hochschulschriftenserver und Publikation. Falls statt der PPN des SWB die Identifikationsnummer des ersterfassenden Verbundes gewählt wird, wie sie das MAB-Feld 026 vorsieht, ordnet sich das Verfahren noch besser ein in die Absprachen, die zwischen den Katalogisierungsverbünden getroffen sind, um Synergien besser ausschöpfen zu können. Das Verfahren selbst ist in den anderen Verbundsystemen implementierbar, die neue Formatbeschreibung von XMetaDissPlus ermöglicht die Darstellung von MAB 026 — die Verbindung der Publikation im Repositorium, ihrem Nachweis in Katalog und Recherchesystemen sowie ihrer Archivierung bei der DNB wird enger.
Insgesamt zeigt sich, dass kleine, eng begrenzte Ergänzungen an XMetaDiss im Lauf der Zeit sinnvoll geworden sind: die Version 1.3 von XMetaDiss stammt aus dem Jahr 2006. Sie betreffen z.B. neben der Berücksichtigung von MAB-Feld 026 die Abbildung der Zählpixel der VG Wort im Format – erforderlich, um den Autoren die Vergütung der VG Wort für die auf den Repositorien lagernden Publikationen zu ermöglichen. Für ein lebendiges Format sind solche Erweiterungen notwendig.
1. ↑ http://dublincore.org/documents/dces/
2. ↑ http://www.d-nb.de/standards/xmetadiss/xmetadiss.htm
3. ↑ http://www.opus-repository.org
4. ↑ http://dublincore.org/documents/dcmi-type-vocabulary/
5. ↑ http://www.driver-support.eu/documents/DRIVER_Guidelines_v2_Final_2008-11-13.pdf
6. ↑ http://www.dini.de/wiss-publizieren/
7. ↑ http://base.ub.uni-bielefeld.de/de/index.php
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