Autorin: Christine Frodl, Deutsche Nationalbibliothek, c.frodl@dnb.de
Am 13. Juni 2011 haben die Direktoren der Library of Congress und der beiden US-amerikanischen nationalen Fachbibliotheken, National Library of Medicine und National Agricultural Library, ihre Entscheidung hinsichtlich einer Einführung der RDA bekannt gegeben. Grundlage für die Entscheidung ist der Bericht des U. S. RDA Test Coordinating Committee. Der ausführliche Testbericht wir im Laufe des Juni 2011 veröffentlicht werden, folgende Dokumente sind der Fachöffentlichkeit bereits jetzt zugänglich:
Die Verlautbarung der Direktoren („Cover Statement“): http://www.nlm.nih.gov/tsd/cataloging/RDA_Executives_statement.pdf
Eine Zusammenfassung der Testergebnisse („Executive Summary“): http://www.nlm.nih.gov/tsd/cataloging/RDA_report_executive_summary.pdf
Demnach beabsichtigen die Library of Congress, die National Library of Medicine und die National Agricultural Library, die RDA einzuführen, jedoch nicht vor dem 1. Januar 2013. Zuvor sollen noch bestimmte Anpassungen vorgenommen werden.
Dazu gehören u. a.:
- Formulierung des Regelwerkstextes in verständlichem und einfachem Englisch
- Verbesserung der Funktionalität des RDA-Toolkits
- Fortschritte im Hinblick auf eine Ablösung des Datenformates MARC
- Untersuchung prototypischer Verfahren und Systeme unter Nutzung des RDA Element Sets, inklusive der RDA Relationships
Zur Erreichung dieser Ziele hat das U. S. RDA Test Coordinating Committee einen Plan vorgelegt, der die einzelnen Arbeitschritte in einer nicht sequentiellen Reihenfolge aufführt[1]. Für den deutschsprachigen Raum wird der Standardisierungsausschuss am 5. Oktober 2011 über das weitere Vorgehen beraten.
RDA – Resource Description and Access ist ein neuer Erschließungsstandard. Mit ihm sollen analoge und digitale Ressourcen aus Institutionen des Kulturerbes[2] beschrieben und zugänglich gemacht werden. RDA ist die Weiterentwicklung der AACR2, der 2. Ausgabe der Anglo-American Cataloguing Rules. Während sich die AACR als Standard auf den anglo-amerikanischen Sprachraum beziehen, soll RDA als internationaler Standard Anwendung finden. Das Potenzial der RDA sieht man auch in der Chance, Metadaten aus Bibliotheken, Museen und Archiven dem Semantic Web zugänglich zu machen.
Grundlagen der RDA sind die IFLA-Standards Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR)[3], Functional Requirements for Authority Data (FRAD)[4], Functional Requirements for Subject Authority Data (FRSAD) sowie das Statement of International Cataloguing Principles (ICP)[5] der IFLA.[6]
RDA wird vom Joint Steering Committee for Development of RDA (JSC), erarbeitet und laufend gepflegt. Das JSC besteht derzeit aus Vertretern folgender Institutionen: American Library Association (ALA), Australian Committee on Cataloguing (ACOC), British Library (BL), Canadian Committee on Cataloguing (CCC), Chartered Institute of Library and Information Professionals (CILIP), und der Library of Congress (LC). Strategische Entscheidungen trifft das Committee of Principals (CoP), das sich aus den Direktoren der oben genannten bibliothekarischen Verbände und Nationalbibliotheken zusammensetzt.
Die Deutsche Nationalbibliothek mit ihrer Arbeitsstelle für Standardisierung, die zugleich Geschäftsstelle des Standardisierungsausschusses[7] ist, leistet die hauptamtliche Facharbeit im Bereich der bibliothekarischen Standardisierung im deutschsprachigen Raum. Der Standardisierungsausschuss hat Ende 2004 die Internationalisierung der deutschen Standards beschlossen. Dazu gehört neben dem Umstieg auf MARC 21 als einheitliches Austauschformat unter anderem auch die Entscheidung für eine aktive Beteiligung am Geneseprozess des neuen Regelwerks „Resource Description and Access (RDA)“ als international anwendbares Regelwerk mit dem Ziel einer Einführung als Katalogisierungsstandard im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen dieser Aktivitäten arbeitet die Arbeitsstelle für Standardisierung auch an der offiziellen deutschen Übersetzung des Standards RDA inklusive seiner Elemente-Sets (Vokabulare). Der Standard RDA ist über eine web-basierte Anwendung, das „RDA Toolkit“[8] zugänglich.
Weitere Informationen zu den RDA und zur laufenden Diskussion sind auf der Website des JSC[9], der Website der Arbeitsstelle für Standardisierung[10] und über ein Abonnement der RDA-Mailingliste[11] erhältlich.
[1] vgl. S. 3 und 4 der „Executive Summary“
[2] Bibliotheken, Archive, Museen
[3] http://www.ifla.org/publications/translations-of-frbr#de und
http://www.d-nb.de/standardisierung/pdf/frbr_deutsch_09.pdf
[4] http://www.ifla.org/publications/ifla-series-on-bibliographic-control-41
[5] http://www.ifla.org/files/cataloguing/icp/icp_2009-de.pdf und
http://www.d-nb.de/standardisierung/pdf/icp-2009_german.pdf
[6] http://www.ifla.org
[7] Der Standardisierungsausschuss ist ein kooperativer Zusammenschluss großer wissenschaftlicher Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, der regionalen Verbundsysteme für das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland, je eines Vertreters des Österreichischen und des Schweizerischen Bibliothekswesens, der Öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, der ekz Bibliotheksservice GmbH sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft und zwei Vertretern der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland.
[8] http://www.rdatoolkit.org/
[9] http://www.rda-jsc.org/
[10] http://www.d-nb.de/standardisierung/index.htm
[11] http://www.rda-jsc.org/rdadiscuss.html